KARATEbyJesse: Die drei Schlüssel zu unglaublichem Kime in deinen Techniken

fist-1148029 1920Frage: Möchtest du dein Kime verbessern? Na klar! Kime ist diese magische Geheimzutat, die gute Karateka von großartigen Karateka unterscheidet. Es ist die neuromuskuläre Kontraktion in einem Sekundenbruchteil am Ende deiner Techniken. (Auch bekannt als: „Wow, deine Schläge knallen vielleicht!“) Aber daran ist nichts Magisches. Alles eine Frage der korrekten Technik.

Drei Wege führen zum Kime: Entspannung. Anspannung. Timing.
Die meisten Leute sind gut in einem oder zwei dieser drei Aspekte. Aber... du brauchst sie alle drei! Also schauen wir uns einmal genauer an, was du verbessern kannst. Los geht‘s!

1. Die Entspannung
Erinnerst du dich daran, wie du zum ersten Mal Fahrrad gefahren bist? Du warst wahrscheinlich ziemlich steif und unbeholfen. Aber nach ein paar Tagen hattest du dann den Dreh raus, oder? Und heute kannst du freihändig Fahrrad fahren. Du bist so entspannt!
Entspannung ist essenziell für meisterhaftes Können. Auch im Karate.
Das erste, was du über Kime wissen musst, ist, dass es aus der Entspannung kommt.

Kime kommt aus der Entspannung!
Wenn du angespannt bist, bist du langsam. Wenn du entspannt bist, bist du schnell.
Das Problem besteht darin, dass die meisten Leute nicht wissen, wie man sich entspannt. Sie sind von ihrem Alltag so gestresst, dass sich ihr zentrales Nervensystem in ständigem Kampf-oder-Flucht-Modus befindet. Und diese Einstellung tragen sie dann auch ins Dojo.


Die Lösung ist NICHT, mehr Kaffee zu trinken. Und lass auch die Energy Drinks sein.
Hol dir deinen natürlichen Zustand innerer Harmonie zurück! Nur dann kannst du wirklich entspannt sein. Denn ein entspannter Körper erwächst aus einem entspannten Geist.

Innere Harmonie

Jetzt pass auf...! Ich habe mal einen wissenschaftlichen Artikel gelesen, in dem es um den Vergleich von Olympischen Schwimmern mit gewöhnlichen Leistungsschwimmern ging. Die Forscher fanden heraus, dass beide Schwimmergruppen über die gleiche maximale Muskelspannung verfügten, aber die Olympischen Schwimmer waren viel besser beim Entspannen als die anderen. Und dadurch haben sie sich für Olympia qualifiziert.
Jetzt kommt der schwierige Teil: Du kannst Entspannung nicht erzwingen. Bitte jemanden darum, dich anzuschreien: „ENTSPANN DICH!“ Dann siehst du, wie gut das funktioniert. Dein Cortisollevel (Stresshormon) wird direkt durch die Decke schießen. Entspannung muss von innen kommen. Genau wie Glücklichsein. Deshalb beginne ich alle Karatestunden mit „Mokuso“ (Meditation). Alles fängt im Kopf an.

2. Die Anspannung
Hast du schon von den berühmten Newtonschen Gesetzen gehört? Mein liebstes ist:
„Kräfte treten immer paarweise auf. Übt ein Körper A auf einen anderen Körper B eine Kraft aus (Aktion), so wirkt eine gleich große, aber entgegengerichtete Kraft von Körper B auf Körper A (Reaktion).“
Deshalb musst du deine Muskeln anspannen, wenn du auf etwas schlägst.

Kraft und Gegenkraft
Du siehst, obwohl Entspannung wichtig ist, kannst du in einem anhaltenden Zustand völliger Entspannung nicht kämpfen. Du würdest dir jeden Knochen in deinem Körper brechen, wenn du auf etwas schlägst! (Oder bei Kata/Kihon deine Gelenke überdehnen.) Dein Körper muss der Kraft, die du überträgst, standhalten können. Wie das?

Zentai Ryoku
Indem du deine Muskeln im Moment des Auftreffens anspannst. Erst Entspannung. Dann Anspannung.
Aber es reicht nicht aus, nur die Faust feste zu ballen. Der Körper arbeitet nicht isoliert. Er arbeitet als System. Du musst deinen ganzen Körper in die Technik einbinden, also den Saft aus jeder relevanten Muskelfaser des ganzen Körpers quetschen. Auf Japanisch nennt man das „Zentai Ryoku“. Benutze den ganzen Körper!

3. Das Timing
Ist es clever, ein Auto mit angezogener Handbremse zu fahren? Eher nicht.
Das gleiche gilt fürs Kime.
Unmittelbar vor dem Aufprall musst du von Entspannung auf Anspannung umschalten.
Wenn du deine Muskeln zu früh anspannst, verlangsamst du deine Technik. Weil dann die Antagonisten (die Muskeln, die entgegen deiner Bewegung arbeiten) dich ausbremsen.
Umgekehrt wirst du dir wehtun, wenn du deine Muskeln zu spät anspannst.
Also muss du Entspannung und Anspannung genau richtig koordinieren!
Wie? Durch gewissenhaftes Wiederholen.

Übung macht den Meister!
Je öfter du eine Technik wiederholst, desto effektiver wird dein Körper bei der Ausführung. Aber achte dabei unbedingt auf eine gute Form!

Und das war‘s schon.
Wenn du diese drei Aspekte verbesserst, wirst du ein unglaubliches Kime entwickeln.
Beginne damit, herauszufinden, wo bei dir am meisten Verbesserungsbedarf besteht: Brauchst du bessere Entspannung (1), Anspannung (2) oder besseres Timing (3)?
Wenn du die Antwort darauf kennst, ist der Rest ganz einfach.
Das Dojo ruft...! Viel Erfolg!

Text: Jesse Enkamp, aus dem Englischen übersetzt von Eva Mona Altmann

Über den Autor:karatebyjesse logo

KARATEbyJesse ist vielen Karateka ein Begriff. Dahinter verbirgt sich der Schwede Jesse Enkamp, Mitglied der Kata-Nationalmannschaft und Inhaber eines eigenen Dojos, der sich mit interessanten und gut recherchierten Artikeln zum Karate und angrenzenden Themenbereichen sowie mit ansprechenden Videos von Turnieren und Lehrgängen im Internet einen Namen gemacht hat. Neben der Webseite www.KARATEbyJesse.com betreibt er auch einen YouTube-Kanal und ist bei facebook, twitter & Co. vertreten. In der Vergangenheit waren seine Beiträge nur mit genügend Englischkenntnisse zugänglich.  Aber mit freundlicher Genehmigung des Autors erscheinen seit Mitte 2014 ausgewählte Artikel in der deutschen Übersetzung von Eva Mona Altmann (Dipl.-Übers.) beim KDNW. Wir freuen uns sehr über diese grenz- und sprachübergreifende Kooperation mit Jesse Enkamp!


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